30. 12. 2015 | Christian Sauer | Testrides
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BMW 650i Cabrio vs. Mercedes-Benz E 500 Cabrio
Wir von Drivers Club Germany lassen die beiden PS-starken Straßenkreuzer aus Bayern und Schwaben gegeneinander antreten. Hier unser exklusiver Vergleich.

Cabrios tun sich hierzulande schwer: 2014 machten sie nur knapp 2,5 Prozent aller in Deutschland zugelassenen Autos aus, zehn Jahre zuvor waren es noch rund vier Prozent. Wo die Gründe für diese negative Entwicklung liegen, ist schwierig auszumachen. Am Angebot kann es eigentlich nicht liegen, schließlich finden sich in nahezu jeder Preisklasse interessante Modelle. Oft kommen die Cabrios allerdings „nur“ als Zweit- oder Drittwagen in Frage und stehen dann immer noch in Konkurrenz zu Coupés und Sportwagen mit festem Dach, die jeweils als komfortabler oder sportlicher gelten. Dabei trotzen die Ganzjahres-Cabrios mit mehrschichtigen Textilverdecken oder elektrischen Hardtops nicht nur Regen, sondern auch Schnee und Waschstraßen. Für Sicherheit sorgen meistens verstecke und im Notfall blitzschnell herausschnellende Überrollbügel.

Laues Lüftchen oder stürmischer Orkan

Unsere beiden Testkandidaten machen da keine Ausnahme. Sie bieten sogar einige Features für eine noch entspanntere Fahrt offen oder geschlossen. Beim E-Klasse Cabrio ist es zum einen die geniale Nackenheizung „AIRSCARF“ als Ergänzung zu den in beiden Modellen gegen Aufpreis klimatisierbaren Sitzen und beheizbaren Lenkrädern. Zum anderen hält der elektrisch ausfahrbare Windabweiser „AIRCAP“ oberhalb der Frontscheibe den Fahrtwind und vor allem störende Turbulenzen bis über 100 km/h spürbar von den vorderen Sitzen fern, auch wenn er vielleicht nicht gerade schön aussieht. Per Knopfdruck erheben sich zudem die Kopfstützen im Fond mit einem kleinen Windschott dazwischen. Für beide Cabrios gibt es auch noch „richtige“ Windschotts zum manuellen Installieren über den Rücksitzen. Wer diese offen nutzen und auf einen Orkan verzichten möchte, kann beim BMW die senkrechte Heckscheibe hochfahren oder bei geschlossenem Dach elektrisch versenken. Wer zusätzlich die Seitenfenster öffnet, bekommt selbst mit „Kapuze“ ohne feste B-Säule viel Frischluft. Nahezu ohne Windgeräusche präsentieren sich die beiden Stoffverdecke, als wir sie auf der Autobahn testen. Natürlich wären die Coupé-Varianten des 6er und der E-Klasse noch leiser, aber mit den Cabrios würden wir jederzeit auch auf lange Reisen gehen.

Innere Werte

Dazu passt, dass zumindest bei geschlossenem Dach mit 390 Litern im Benz und 360 im BMW mehrere Koffer mitgenommen werden können. Wenn sich das jeweilige Verdeck im Stand auch per Fernbedienung oder während der Fahrt bis 40 km/h innerhalb 20 Sekunden im Heck verstaut, schrumpft das Volumen in beiden Modellen auf 300 Liter. So schlucken sie immer noch mehrere Getränkekisten, aber im Alltag müssen andere sperrigere Gepäckstücke draußen bleiben. Doch sind wir mal realistisch – wer „muss“ offen extrem viel transportieren oder geht „oben ohne“ mit großem Gepäck auf Tour? In der Praxis werden wohl eher zwei statt drei oder vier Personen an Bord sein, auch wenn unsere beiden Cabrios vollwertige Viersitzer sein wollen. Bedingt sind sie es auch, zumindest wenn die erste Reihe mitspielt. Schieben Fahrer und Beifahrer ihre bequemen, vielfach elektrisch verstellbaren Sitze nicht ganz nach hinten, bleibt hinten genügend Platz für normal gewachsene Gäste. Das 19 cm kürzere E-Klasse Cabrio bietet sogar etwas mehr Kniefreiheit als das 4,89 m lange 6er Cabrio, der mit 1,89 m auch breiter und mit 1,36 m flacher auf der Straße liegt.