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Cigarette Racing Team 41’ SD GT3 Mercedes-AMG GT3
Vor Miami fuhren wir mit dem brandneuen, 2.200 PS starken Powerboat vom Cigarette Racing Team, das zusammen mit Mercedes-AMG gestaltet wurde. Hier unser exklusiver Bericht aus Florida.

Besonders in den USA haben sogenannte Offshore-Powerboats eine lange Tradition. Natürlich gab und gibt es auch andere Hersteller, aber Cigarette Racing hat sich über die Jahrzehnte zum Synonym für die gesamte Bootsklasse entwickelt. 1969 vom begeisterten Rennboot-Fahrer Don Aronow gegründet, rasten die ebenso langen wie schlanken PS-Boliden nicht „nur“ bei Rennen allen anderen Konkurrenten davon. Auch in der legendären TV-Serie Miami Vice und in James Bond („Lizenz zum Töten“) waren die „Guten“ damit den „Bösen“ zumeist voraus. Doch es gab auch eine andere Seite: Drogenhändler nutzten die schnellen Boote zum Transport der wertvollen Ware. Es war also kein Zufall, dass Firmengründer Don Aronow 1987 von der Drogenmafia direkt vor dem Firmensitz erschossen wurde, weil er die Werft erst einer Unterweltgröße verkaufen wollte, dann aber zurückzog und von einem Teil des bereits bezahlten Geldes nichts mehr wissen wollte. Danach wechselte Cigarette Racing mehrfach den Besitzer, bis der Unternehmer Skip Braver die Werft 2002 kaufte und seitdem erfolgreich führt.

Faszination an Land und auf dem Wasser

Inzwischen bauen knapp 100 Mitarbeiter am Stadtrand von Miami rund 50 Boote im Jahr – ausschließlich auf Bestellung und größtenteils in Handarbeit aus Glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK). Hinsichtlich Farben und Materialien werden nahezu alle Kundenwünsche erfüllt, seien sie noch so ausgefallen. Ähnlich individuell, schnell und mehr als ausreichend motorisiert sind auch viele Kunden von Mercedes-AMG auf öffentlichen Straßen oder auf Rennstrecken unterwegs. Bei den Parallelen lag eine Zusammenarbeit der beiden High-Performance-Marken also nahe und seit 2007 besteht inzwischen die kreative Kooperation. 2010 wurde dann die erste Cigarette im AMG-Look zu Wasser gelassen und seitdem wird jedes Jahr pünktlich zur Miami International Boat Show eine weitere Paarung eines neuen AMG-Modells mit optisch dazu passendem Powerboat präsentiert. Bis auf eine Ausnahme – der Studie „Concept Cigarette AMG Electric Drive“ mit Antriebs-Komponenten des rein elektrischen SLS AMG Coupé Electric Drive – sorgen allerdings keine Motoren von Mercedes für Vortrieb. Stark genug wären sicherlich vor allem die AMG-V8-Motoren, aber der Aufwand für die Marinisierung, also dem Einsatz auf dem Wasser, wäre enorm. Stattdessen vertraut Präsident und CEO Skip Braver mit seinem Team lieber auf die großvolumigen Motoren von Mercury Racing. Je nach Modell sind entweder bis zu vier Außenborder am Heck oder noch häufiger zwei Innenborder im Heck installiert.

Herrlich unvernünftig

So ist es auch bei der 41’ SD GT3: „Wir sind begeistert, auch dieses Jahr zusammen mit der Mercedes-Benz Performance-Marke unser schnellstes Open Performance Motorboot mit Mittelkonsole zu entwerfen“, sagt Skip Braver sichtlich stolz. Diesmal ist das Design vom Mercedes-AMG GT3 Rennwagen inspiriert, der als Nachfolger des SLS Flügeltürers ab dieser Saison von privaten Kundensport-Teams weltweit eingesetzt wird. Bei zwei 1.100-PS-V8 mit jeweils 9,0 Liter Hubraum ist allerdings vom ökologischen Downsizing wie in der Automobil-Branche keine Spur. Gerade für die US-amerikanischen Kunden – insgesamt rund 50% aller, gefolgt von den Arabern – sollte der verschwenderische Umgang mit Benzin sicher kein Problem sein. Wenn der 1.325-Liter-Tank bei hohem Tempo nach gut einer Stunde leer ist, wird eben ohne Reue wieder vollgetankt. Im Mittelmeer oder auf einigen deutschen Flüssen wie dem Rhein, wo tatsächlich auch ohne Tempolimit mit solchen Booten gefahren werden darf, sieht das sicher anders aus.