Exklusiv: Weltpremiere des BMW i3 in London

02.08.2013 | Christian Sauer | Lifestyle, News

BMW i3 London Drivers Club Germany

BMW präsentierte in London den elektrischen i3 und Drivers Club Germany Chefredakteur Christian Sauer war live vor Ort dabei – hier sein Bericht.

Dass London ein anderes Kaliber als München, Hamburg, Köln oder selbst Berlin ist, zeigte sich uns mal wieder bereits beim Weg von Flughafen Heathrow in die östliche City. Eigentlich ist gerade zur Rushhour ein PKW nicht die beste Wahl im Vergleich zum öffentlichen Nahverkehr, aber zum einen ist auch in Großbritannien derzeit Ferienzeit und dadurch die Staugefahr zumindest teilweise gebannt, zum anderen hatte uns BMW einen Chauffeur samt 5er ActiveHybrid geschickt. Mit halbwegs gutem (grünen) Gewissen ging es so teils elektrisch angetrieben zur exklusiven Event-Location „Old Billingsgate Market“ direkt am Themse-Ufer, wo der i3 offiziell später vor den aus ganz Europa angereisten Journalisten enthüllt werden sollte.

Doch um die Spannung noch weiter zu steigern, gab es zuvor erst noch eine Pressekonferenz. Dort wurde auf die bereits kommunizierten technischen Features des Wagens, wie der Fahrgastzelle aus ebenso leichtem wie festem kohlefaserverstärktem Kunststoff und dem kraftvollen 170-PS-Elektromotor (125 kW) eingegangen, mit dem der i3 auf den ersten Metern schneller als ein sportlicher BMW M3 beschleunigen soll. Die Reichweite des i3 soll bei 130 bis 160 Kilometer liegen. Laut BMW Group haben die Erfahrungen mit den Testflotten von MINI E und BMW ActiveE ergeben, dass 130 bis 160 km Reichweite für die überwiegende Mehrheit der Fahrer völlig ausreichend ist, da die tägliche Fahrstrecke im weltweiten Durchschnitt lediglich 64 km beträgt. Auf Wunsch – und gegen 5.000 Euro Aufpreis – kann der BMW i3 ab Werk zusätzlich mit einem Reichweitenverlängerer (= Range Extender ähnlich Opel Ampera) ausgestattet werden, der das Ladeniveau des Lithium-Ionen-Akkus während der Fahrt konstant hält, sobald dieses auf einen bestimmten Wert gesunken ist. Diese Funktion übernimmt ein 25 kW/34 PS starker Zweizylinder-Benzinmotor, der unmittelbar neben dem E-Antrieb über der Hinterachse untergebracht wird. Die maximale Reichweite im Alltagsbetrieb erhöht sich damit auf rund 300 Kilometer. Dabei propagiert BMW doch, dass der i3 kompromisslos um seinen Elektroantrieb herum konzipiert wurde und dadurch komplett auf andere Bauteile wie einen Tank verzichten könne. Weshalb dieser Kompromiss? Diese Frage konnte oder wollte uns leider keiner der anwesenden BMW-Vertreter­­­ beantworten.

Stolz ist man auf das ganzheitliche Gesamtkonzept: „Wir werden unsere BMW i3 Kunden mit einem umfassenden Paket an Premium-Dienstleistungen unterstützen. Das Programm „360° ELECTRIC“ wird dazu beitragen, dass das Fahren des BMW i3 Freude machen und unkompliziert sein wird”, erklärte Dr. h.c Ian Robertson, Vorstandsmitglied der BMW AG und beim Konzern zuständig für Vertrieb sowie Marketing. Ein umfangreiches Produkt- und Service-Angebot soll den zukünftigen Kunden die noch immer vorherrschende Skepsis gegenüber der Elektromobilität nehmen.

Beispielsweise können je nach individuellem Vertrag für längere Reisen kostenfrei größere, konventionell angetriebene BMW-Modelle ausgeliehen werden. Spezielle Online-Dienste und Apps sollen sogar den temporären Umstieg auf öffentliche Nahverkehrsmittel erleichtern. Auch beim Vertrieb setzt man auf neue Wege: Das fängt schon beim Namen für die Verkäufer bzw. Kundenberater an. Die heißen im Fall des i3 und des im nächsten Jahr folgenden Hybrid-Sportwagens i8 nämlich „i Agenten“. Ein Multivertriebskanalmodell soll es ermöglichen, dass ein Kunde während des gesamten Verkaufsprozesses den Vertriebskanal wählen und wechseln kann. Alle Vertriebskanäle sollen vollständig integriert sein, so dass die BMW Handelspartner dennoch weiterhin das Rückgrat des Vertriebsnetzwerkes und der Hauptansprechpartner für die Kunden sind. Während im Vorfeld auch viel über den möglichen Verkauf des mindestens 34.950 Euro teuren Viersitzers mit kompakten Maßen über das Web spekuliert wurde, sollen ab November vorerst nur drei ausgewählte Standorte in deutschen Metropolen die Anlaufpunkte für Interessenten hierzulande werden.

Generell sieht die BMW-Führung ihren elektrischen Hoffnungsträger als Weltauto für boomende Metropolen und Megacities wie London, wo tagtäglich Millionen von Menschen in die Innenstadt hinein und nach getaner Arbeit wieder hinaus pendeln. Hinzu kommen verschärfte Auflagen für konventionelle Autos und auf der anderen Seite die Förderungen rein- oder teilweise elektrisch angetriebener Fahrzeuge, die deren Attraktivität deutlich steigern. Das Interesse der Öffentlichkeit am BMW i3 und BMW i insgesamt sei sehr hoch und die Resonanz positiv: Inzwischen verfügt BMW i weltweit über mehr als 1,2 Millionen Fans auf Facebook, über 90.000 Interessenten haben sich bereits für eine Probefahrt mit dem i3 angemeldet. Auch wenn man ihm keine genauen Aussagen zu möglichen Stückzahlen entlocken konnte, will BMW laut Ian Robertson schon ab dem ersten Auto Geld verdienen und das trotz der erheblichen Investitionen, die der Konzern nicht nur für die Vermarktung der neu gegründeten Submarke „BMW i“, sondern vor allem in das Leipziger Werk getätigt hat. Das soll Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette garantieren. Bei der Produktion des BMW i3 wird beispielsweise der dafür benötigte Strom aus Windkraft erzeugt. Neben der CO2-freien Stromversorgung konnten zudem im Vergleich zu dem ohnehin sehr effizienten BMW Produktionsdurchschnitt noch einmal 50% Energie und 70% Wasser eingespart werden. Das bei der Entwicklung des i3 und der industriellen Herstellung von Carbon, also kohlefaserverstärktem Kunststoff, gewonnene Know-How will BMW direkt auch für andere Modellreihen nutzen und somit die Investitionen wieder rausholen.

 

Sogar ein elektrisches Zweirad mit Antriebskomponenten sei möglich. Eine vor allem mit britischen Wissenschaftlern und hochrangigen Unternehmern besetzte Podiumsdiskussion sollte ebenfalls veranschaulichen, dass sich BMW wie zuvor schon Audi auch mit dem Thema „Smart Cities of the Future“ beschäftigt, wobei die Ingolstädter den Münchnern dabei bereits einige Schritte voraus sind.

Doch genug der „langweiligen“ Fakten und Hintergrundinformationen – kommen wir zum Show-Teil: Die eigentliche Enthüllung fand nämlich nicht nur in London, sondern parallel auch in Peking und New York City statt. BMW Vorstandsvorsitzender Norbert Reithofer und weitere Vorstandsmitglieder verkündeten per Liveschalte zwischen den drei Presseveranstaltungen und per Livestream der gesamten Welt den Beginn einer neuen Ära der Mobilität. Sie wagten sogar den Vergleich mit Mobiltelefonen, die ja auch die Telekommunikation revolutionierten und die Weltpremiere des i3 sei ein Moment, an den sich sogar spätere Generationen noch erinnern werden. Passend dazu durften jeweils drei kleine Kinder aus den drei Metropolen per Smartphone den BMW i3 starten und damit enthüllen.

Zugegeben, dass futuristische Design gefällt (noch) nicht jedem und braucht wahrscheinlich erst eine gewisse Gewöhnungszeit. Das gilt für das äußere Gewand, ebenso wie für das Cockpit aus größtenteils recyceltem Material, worunter der Qualitätseindruck übrigens nicht leidet. Wie unsere erste Sitzprobe zeigte, fällt das Platzangebot im Innenraum im bezogen auf die Fahrzeuggröße überraschend gut aus. Vorn kann man es sich entweder wie üblich auf zwei Einzelsitzen für Fahrer und Beifahrer, oder wie früher auf einer durchgehenden Sitzbank bequem machen. Wie bei der BMW-Luxusmarke Rolls-Royce hinten angeschlagene Türen machen den Weg in die zweite Reihe frei, wo nicht nur der Nachwuchs ausreichend Platz findet. Der Kofferraum im Heck fällt mit 260 Litern nicht üppig, aber auch nicht viel kleiner als bei konventionell angetriebenen Kompakten aus. Mit umgeklappten Rücksitzen bietet der i3 sogar 1.100 Liter und mehr Variabilität als andere. Ein separates Fach unter der Fronthaube, zum aufgeräumten Verstauen des Ladekabels und Adaptern sucht man woanders auch vergebens.

Der erste rein elektrische BMW steckt voller interessanter Details und dennoch schienen die meisten der 600 geladenen Gäste der i3 Night nur bedingt daran interessiert. Londons „High-Society“ nutzte die bereitete Bühne eher zur Selbstdarstellung vor den zahlreich in Position gegangenen Fotografen und Kamerateams. Etwas gesprächiger zeigten sich die beiden, vom Automobilhersteller eingeladenen Stargäste, die Hollywood-Schauspieler Sienna Miller und James Franco: „Als junge Mutter achte ich sehr auf eine umweltgerechtere Lebensweise, um der nächsten Generation eine bessere Welt zu hinterlassen. Ein rein elektrisch angetriebenes und zugleich stilvolles Fahrzeug ist etwas völlig Neues und Einzigartiges und macht den BMW i3 für mich zum perfekten Stadtwagen”, so Sienna Miller und James Franco ergänzte: „Als Verfechter von Kunst und Design bin ich begeistert davon, wie BMW beim BMW i3 Stil, Funktionalität und Technologie in Einklang bringt. Mit diesem Wagen wird Umweltschutz cool, und das ist sehr wichtig.“

Über den Sinn solcher PR-Inszenierungen kann man geteilter Meinung sein, auf jeden Fall sorgen sie für noch mehr mediale Aufmerksamkeit und unterstreichen den lifestyligen Charakter, den nachhaltige Autos wie der BMW i3 durchaus besitzen. Das tut der Elektromobilität insgesamt gut!