Fahrspaß hoch zwei: E-Iguana 29

24.11.2016 | Christian Sauer | Highlights, Lifestyle, Testrides

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Wir testeten das exklusive Amphibienboot mit neuem Hybridantrieb an Land und im Wasser vor Monaco. Was macht es so außergewöhnlich und wo liegen die Einsatzmöglichkeiten?

Die Szenerie scheint direkt in einem Hollywood-Blockbuster zu spielen: Nur noch wenige Meter zum Strand, Hauptmotor ausgeschaltet und Knopf gedrückt. Bis dato noch samt perfekten Spaltmaßen bündig mit dem extrem stabilen Rumpf aus Glasfaser-Karbon-Epoxy-Laminat abschließend, schwenkt der patentierte Raupenantrieb hydraulisch binnen acht Sekunden seitlich nach unten ins Wasser – die Iguana 29 ist bereit zum Landgang!

Nun kommen die beiden kleinen Joysticks links vom zentralen Steuer ins Spiel. Mit ihnen lassen sich die gefederten Rollen der 2,50 m langen Ausleger vorwärts oder rückwärts drehen. Die dank Kevlar-Verstärkung besonders robusten Gummilaufbänder, die hochgeklappt als Ersatz für konventionelle Fender dienen, sorgen mit ihrem Profil auch im Wasser für Vortrieb, bis Kontakt zum festen Boden hergestellt ist. In diesem Moment, wenn andere Boote mit ihrem Rumpf aufsetzen und nicht mehr weiterkommen, beginnt das eigentliche Erlebnis mit der Iguana. Dann erhebt sich das 9,25 m lange und 2,75 m breite Amphibienboot mit dem angesagten kantigen Design und senkrechtem Steven langsam, aber scheinbar unaufhaltsam aus dem Wasser. Die Strandbesucher können in der weit geschwungenen Bucht nur wenige Kilometer östlich von Monaco zwar jeden Tag „maritime Wunderwerke“ und jede Menge außergewöhnlicher „Toys“ bewundern, aber bei diesem Spektakel zucken auch sie aufgeregt ihre Kameras.

 

Anders als auf den Fotos und in den Videos seit der Premiere der ersten Iguana vor fünf Jahren zumeist zu sehen, erklimmt das einzigartige Amphibienboot nicht nur flache Sandstrände, sondern hier einen recht steilen und mit groben Steinen gespickten Strandabschnitt. Während die Iguana unbeeindruckt von den heranrauschenden, zwei bis drei Meter hohen Wellen das Meer schon fast hinter sich gelassen hat, stelle man sich die Situation mit einem Tender vor, der Gäste möglichst trockenen Fußes von der Yacht an Land oder zurück zum Mutterschiff bringen wolle. Selbst mit vorderer Bugtür wäre es ein nahezu unmögliches Vorhaben. Oder wie könnte ein Dayboat hier sicher und schnell ins Wasser gelassen sowie zurück ans Ufer geholt werden?

Die Iguana beantwortet diese Fragen mit ihrem Raupenantrieb, der nach ausgiebigen Tests neuerdings anstatt von einem VW-Benzinmotor auch von zwei Elektromotoren mit jeweils 22kW und 67 Nm angetrieben werden kann. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Nahezu geräusch- und zumindest lokal emissionslos lässt sich das Multitalent bis zu 110 Minuten an Land bewegen, bevor die flüssig gekühlten Lithium-Ionen-Akkus in sechs Stunden wieder vollständig geladen sind. Doch im Gegensatz zu Amphibienautos sind die Amphibienboote von Iguana mit maximal 7 km/h nicht für längere Strecken außerhalb des nassen Elements oder gar für den Straßenverkehr konzipiert. Der Reiz liegt vielmehr darin, sich mit kinderleichter Bedienung und ohne zusätzliches Equipment oder Personal beispielsweise in Revieren mit starken Gezeiten oder breiten Stränden fortzubewegen. Interessant ist das Konzept ebenfalls für Hausbesitzer mit Wasserzugang aber ohne Steg oder Bootshaus, um die Iguana direkt in einer Garage zu parken und das sogar ferngesteuert per Smartphone.

 

Gleiches gilt natürlich für Luxus-Hotels und Resorts, die sich die mehr als 400.000 Euro kostende Iguana 29 online konfigurieren und direkt bei der kleinen Werft in der Normandie bestellen können. Bislang wurden schon mehr als ein Duzend verkauft und derzeit stehen für private Kunden neben der ursprünglichen „Classic“-Variante die besonders robusten Versionen „Adventure“ und „Expedition“ sowie die „Exclusive“ zur Wahl. Gerade für letztgenannte werden zahlreiche Optionen wie ein multifunktionaler Tisch, ein Kühlfach, ein integriertes Bose-Soundsystem mit Bluetooth-Konnektivität, verschiedene Layouts der Sitz- und Liegemöglichkeiten, sowie Möglichkeiten zum Schutz vor zu viel Sonne und Wind angeboten. Die hochwertigen Materialien reichen bis hin zu vergoldeten Handläufen und passend zum automobilen Eigner-Fuhrpark individuell angemischte Lackierungen. Den hohen Anspruch von Iguana-Gründer und CEO Antoine Brugidou unterstreichen die schier endlosen Möglichkeiten zur Individualisierung und die superbe Verarbeitung.

Dies beweist auch die solide Edelstahlleiter am Heck, die sich beim Auf- und Absteigen als sehr nützlich erweist, schließlich baut die Iguana 29 mit über 2,50 Meter recht hoch. Auf dem Strand wirkt die Bodenfreiheit fast überdimensioniert, aber nachdem sich das Amphibienboot dank den beiden Joysticks sehr einfach und sicher manövrieren, sogar im Stand um 360 Grad drehen lässt und wieder Kurs Mittelmeer nimmt, erschließt sich der Sinn dahinter. Wie schon bei der Anlandung sollten sich die maximal acht Personen an Bord in luftiger Höhe auch bei der Wasserung von einem steil(er) abfallenden Ufer gut festhalten.

Zurück im Wasser beweist die Iguana 29 mit ihrem ebenso agilen wie stabilen Fahrverhalten dank „tiefem V“ selbst bei Höchstgeschwindigkeiten um 40 Knoten (mit 400-PS-Außenborder), dass es sich trotz der Mobilität an Land um ein „echtes“ Boot und nicht um ein zu Wasser gelassenes Auto handelt. Während immer mehr große Tender und Dayboats allerdings auf integrierte Motoren im Heck setzen, mag der Einsatz eines Außenborders in der maritimen Luxusklasse vielleicht nicht mehr zeitgemäß wirken. Doch auch dahinter steckt bei Iguana kein „Sparzwang“, sondern eine nachvollziehbare Idee – die Wartung und notfalls der Ersatz gestaltet sich so deutlich einfacher – vor allem fernab typischer Yachtreviere mit entsprechender Infrastruktur.

Damit scheinen die Iguana-Amphibienboote auch geradezu prädestiniert für den weltweiten Einsatz als Tender. Allerdings kommen sie bedingt durch ihre Abmessungen (minimal 1,90 m Höhe) und dem Gewicht von knapp drei Tonnen ausschließlich für Yacht Support Vessels oder sehr große Yachten in Frage. Und tatsächlich wurden während der Monaco Yacht Show konkrete Gespräche mit dem Kapitän des 107 m langen Explorers „Ulysses“ geführt. Ob dessen aktuelles Amphibienboot des neuseeländischen Herstellers Sealegs mit herunterklappbaren Rädern nicht überzeugen konnte, ist nicht bekannt. Eine Iguana würde das jetzt schon schier unendliche Portfolio an Tendern und Toys samt 21-m-Katamaran sowie Landungsboot für an Bord mitgeführte Motorräder und Buggies gut stehen.

In der Planung ist sogar ein neues Iguana-Flaggschiff mit drei Außenbordern: „Zunehmend fragen unsere Kunden nach größeren Modellen mit mehr Platz, mehr Kraft und Reichweite“, sagt Antoine Brugidou und stellt in Aussicht „Es wird eine schöne Kabine mit Bad, Dusche und Klimaanlage haben, um komfortabel und luxuriös auch in klimatisch anspruchsvollen Revieren zu cruisen. Vorbestellungen sind bereits möglich!“ Auch bei dem neuen Projekt wird sich das (noch) kleine Iguana-Design- und Konstrukteurs-Team um Werftleiter Martin Meyer aus Deutschland erneut an den sehr hohen Ansprüchen von Antoine Brugidou messen lassen müssen – die späteren Eigner werden es ihm und ihnen danken.