Jaguar F-PACE – Onroad Testdrive & Tracktest

08.05.2016 | Christian Sauer | Testrides

Jaguar F-PACE Drivers Club Germany Tracktest Mendig
In der malerischen Eifel fuhren wir das erste Crossover von Jaguar auf und abseits öffentlicher Straßen. Stellt das SUV eher eine Evolution oder eine Revolution der Raubkatze dar?

Folgt man der Evolutions-Theorie von Charles Darvin, können langfristig nur diejenigen überlegen, die sich veränderten Lebensbedingungen am besten anpassen. Mit immer mehr urbanen Lebensräumen samt asphaltiertem Untergrund müsste Jaguar dank seinen Limousinen und Sportwagen klar im Vorteil sein. Und tatsächlich toppt der britisch-indische Hersteller auf noch überschaubarem Niveau einen Verkaufsrekord nach dem anderen. Einen zusätzlichen Boost scheint der Traditionsmarke nun ausgerechnet die hochbeinige Raubkatze zu verleihen, mit der nicht nur Man(n) auch mal auf unbefestigtem Geläuf auf Jagd gehen kann. Doch selbst wenn Ausflüge ins Gelände selten bleiben und dafür „richtige“ Offroader die bessere Wahl wären, zeigt die Konkurrenz à la Audi Q5, BMW X3, Mercedes-Benz GLC oder vor allem der Porsche Macan das Potential relativ kompakter und dazu recht dynamischer Crossover beziehungsweise SUVs.

 

Trotz der für Jaguar „noch“ ungewohnten Höhe von 1,65 m schuf der geniale Chefdesigner Ian Cullum eine atemberaubende Formensprache auf 4,73 x 1,93 m Grundfläche. Typische Elemente inklusive dem mächtigem Kühlergrill geben den F-PACE sofort als Jaguar der Neuzeit zu erkennen und öffnen zugleich ein neues Kapitel der langen Firmengeschichte. Trotz unseren Sympathien für die deutschen Mitbewerber müssen wir dem F-PACE neidlos attestieren, dass sein Design deutlich emotionaler und individueller wirkt. Vor allem die Lackierung „Caesium Blue“ – exklusiv der weltweit auf 2.000 Exemplare limitierten First Edition vorbehalten – und „Italian Racing Red“ stehen dem Jaguar aus unserer Sicht richtig gut.

Dazu passen die sportlichen Details der Varianten R-Sport und S ebenso wie die bis zu 22 Zoll großen Räder in diversen Designs. Los geht es allerdings mit 18-Zöllern und der Ausstattungslinie Pure. Für die edle(re)n Linien Prestige und Portfolio stehen ebenfalls mehrere gedeckte Lacktöne sowie alle aktuell angebotenen Antriebsoptionen zur Wahl. Während es den 20d mit 2,0-Liter-Diesel und vier Zylindern, 180 PS sowie 430 Nm Drehmoment auch mit Frontantrieb und 6-Gang-Handschaltung gibt, sind die beiden 3,0-Liter-Sechszylinder ausschließlich mit dem von Jaguars Schwestermarke Land Rover / Range Rover abgeleiteten Allrad und der flinken 8-Stufen-Automatik bestellbar.

Leider konnten wir weder den 340 PS (35t) noch den 380 PS (S) starken Benziner aus dem F-TYPE im F-PACE testen, die dank Kompressor jeweils 450 Nm generieren. Stattdessen blieb uns „nur“ der 30d samt 300 PS und bulligen 700 Nm, der sich hierzulande wohl zum Bestseller entwickeln wird. Während die beiden Benziner in 5,5 respektive 5,8 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 sprinten und bei 250 km/h abgeriegelt werden, benötigt der Selbstzünder mit 6,2 Sekunden unwesentlich länger und mit 241 km/h ist er auf der Autobahn immer noch schneller als die meisten SUVs. Dabei soll er sich im Schnitt mit 6,0 Litern Diesel begnügen. Allerdings verführt die Raubkatze mit nicht besonders sonorem Sound ebenfalls zum schnellen Jagen und dann stößt man schnell in die Sphären der Benziner vor, die offiziell mit 8,9 Litern angegeben sind. Zukünftig wird der F-PACE wahrscheinlich auch als Plug-in-Hybrid sowie mit dem bekannten V8-Kompressor kommen.

 

Mehr Power würde die leichte und sehr verwindungssteife Aluminium-Struktur, die in ähnlicher Form bereits im Jaguar XE und XF zum Einsatz kommt, auf jeden Fall vertragen. Das Leergewicht bleibt dadurch unter 1,9 Tonnen, was natürlich auch dem Fahrverhalten zugutekommt. Anders als beim Porsche Macan verzichtet Jaguar im F-PACE grundsätzlich auf ein höhenverstellbares Luftfahrwerk. Schade, denn so verzichtet man zum einen auf mehr Bodenfreiheit für Ausflüge ins unwegsame(re) Gelände und überlässt so den Konzernbrüdern Land Rover Discovery Sport, Range Rover Evoque und Range Rover Sport vielleicht sogar bewusst dieses Terrain.

Zum anderen fällt durch den Verzicht die mögliche Spreizung zwischen Komfort und Sportlichkeit geringer aus. Vor allem mit den riesigen 22-Zoll-Walzen und im Dynamik-Modus erinnert das Fahrverhalten des F-PACE eher an einen Sportwagen denn an ein SUV. Dazu passt die äußerst direkte Lenkung ebenso wie die standfeste Bremse und der bereits im F-TYPE eingesetzte Allradantrieb Intelligent Driveline Dynamics samt Torque-on-demand, der nur bei Bedarf die Vorderräder blitzschnell mit maximal 50 Prozent ankoppelt. Was die Dynamiker sehr freuen wird und den F-PACE sogar für ein paar schnelle Runden auf Rennstrecken wappnet, schränkt den Fahrkomfort leider etwas ein. Selbst in der weichsten Einstellung der adaptiven Dämpfer vermissen wir etwas die legendäre Geschmeidigkeit von Jaguars Wappentier und Sportlimousinen.