30. 12. 2015 | Christian Sauer | Testrides
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Jaguar F-Type R AWD vs. Nissan GT-R Premium Edition Vergleich
Wir lassen die englische „Raubkatze“ gegen „Godzilla“ aus Japan antreten und klären, welcher Sportler auf der Rennstrecke und der Straße eine bessere Figur macht. Reicht es, einfach „nur“ stark und schnell zu sein?

Das sind unsere beiden Testkandidaten zweifelslos, denn ihnen gemein ist die Leistung mit 550 PS bei rund 6.500 Umdrehungen. Der Achtzylinder-Kompressor-Motor im Jaguar schöpft aus satten fünf Litern Hubraum 680 Nm bei 3.500 Touren. Im Nissan sind es 632 Nm bei 3.200 und das trotz „Downsizing“ mit V6-Turbo und lediglich 3,8 Liter. Bei den Fahrleistungen liegt der Japaner mit atemberaubenden 2,7 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und 315 km/h Topspeed sogar vor dem Briten mit 4,1 Sekunden und elektronisch begrenzten 300 km/h. Beim Antrieb setzen beide auf das gleiche Konzept mit Frontmotor und intelligenten Allradantrieben. Den F-Type gibt es alternativ auch als Heckschleuder und als Sechszylinder, letztgenannter dann optional mit 6-Gang-Handschaltung statt der standardmäßigen 8-Stufen-Automatik. Der GT-R wird hingegen seit seinem Start 2007 ausschließlich mit Allrad, 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe und dem Sechszylinder-Motor angeboten, der es in der extremen Nismo-Version auf 600 PS bringt. Allerdings verzichtet Nissan auf eine Cabrio-Variante und selbst in der von uns getesteten Premium Edition auf ein großes Glas-Panoramadach wie in unserem Jaguar-Testwagen. Doch darauf legen Sport(wagen)-Fahrer doch sowieso keinen Wert, oder?

 

Viel wichtiger ist ihnen Performance, die – wenn überhaupt – nur auf abgesperrtem Terrain richtig erfahren werden kann. Und genau hier schlägt die Stunde von Godzilla, der seit seiner Geburt der Konkurrenz nicht nur mit brachialer Kraft, sondern auch mit messerscharfem Handling vorweg fährt. Absolut neutral und ohne Untersteuern zieht der Allradler mit wahnsinnig hohen Geschwindigkeiten durch Kurven aller Art. Die erreichbaren Längs- wie Quer-Beschleunigungen sind enorm. Traktionsprobleme können höchstens die Dunlop-Sportreifen bei Nässe verursachen. Die Lenkung könnte zwar noch fester und das Lenkrad etwas kleiner sein, aber direkter geht es kaum. Selbst ohne teure Carbon-Keramik-Technologie beißen die Brembo-Bremsen erbarmungslos und ausdauernd zu. Über G-Kräfte und schier unendlich viele Fahrdaten informiert der 7-Zoll-Touchscreen des Infotainmentsystems im Playstation-Stil.

 

Zwar deutlich weniger digitale Informationen, dafür allerdings acht Zoll bietet der Jaguar. Mit der Raubkatze kann man(n) sich durchaus auch auf der Piste blicken lassen, wird aber nicht so schnell wie Godzilla sein. Zum einen liegt es an den serienmäßigen Bremsen, die ebenfalls stark, doch nicht ganz so bissig sind. Für extrem starke Belastungen sollten „Racer“ dann vielleicht besser in die fast zehntausend Euro teuren Carbon-Keramik-Stopper investieren. Doch schwerwiegender erscheint das relativ hohe Leergewicht mit über 1.8 Tonnen. Der Nissan liegt zwar auf ähnlichem Niveau, kaschiert im harten Einsatz sein Gewicht mit der sensibleren Lenkung jedoch besser.