Mit Strom und Gas: Mercedes-Benz B-Klasse im Fahrbericht

31.10.2014 | Christian Sauer | Testrides

Mercedes-Benz B-Klasse Electric Drive
Drivers Club Germany Chefredakteur Christian Sauer testete die verschiedenen Antriebs-Konzepte wie den Electric Drive und Natural Gas auf Mallorca.

Fast zehn Jahre sind seit der Premiere der ersten B-Klasse vergangen, von der über 700.000 Fahrzeuge verkauft wurden. Oft als „Rentner-Auto“ verspottet, versuchte Mercedes bereits 2011 mit der zweiten Generation der B-Klasse gegenzusteuern. Dynamischer sollte sie nicht nur aussehen, sondern sich auch so fahren. Dass dies gelungen ist, zeigen die Zahlen, mehr als 380.000 Exemplare hat Mercedes vom Vorgängermodell verkauft – viele davon an Familien. Aber nun wurde es wieder Zeit für eine Überarbeitung, denn „Erzfeind“ BMW hat mit dem 2er Active Tourer erstmals auch ein ähnliches Konzept mit Frontantrieb und viel Platz bei kompakten Abmessungen ins Programm aufgenommen – allerdings noch ohne alternative Antriebe.

Trotz oder gerade wegen des Drucks durch die Konkurrenz hält Mercedes weiter am Kurs fest und erstmals ist für die B-Klasse auch eine AMG Line mit sportlichen Details erhältlich. Allerdings wird diese dem B 200 Natural Gas Drive und Electric Drive vorenthalten. Dafür gibt es für den ersten rein elektrisch angetriebenen Mercedes-Benz nach dem (fast) unbezahlbaren Supersportwagen SLS AMG Electric Drive ein spezielles Optik-Paket. Dazu zählen neben der weißen oder blauen Lackierung, Außenspiegel in der jeweiligen Kontrastfarbe sowie weitere blaue Akzente außen wie innen.

 

 Anders als zum Beispiel bei der ebenfalls kürzlich von uns getesteten Mercedes S-Klasse Plug-in-Hybrid bringt der elektrische Antrieb keine nennenswerten Nachteile für das Platzangebot in der B-Klasse Electric Drive mit sich. Durch die Unterbringung der Batterien im weiterentwickelten Sandwich-Boden „Energy Space“ beträgt das Ladevolumen alltagstaugliche 501 bis 1.456 Liter bei umgeklappten Rücksitzen. Nur eine einzige Einschränkung gibt es: Die Sitzbank ist nicht wie bei den anderen Varianten der B-Klasse in der Länge verschiebbar.

Im Cockpit fällt das freistehende, bis zu acht Zoll große Display auf, das zahlreiche Funktionen des Comand-Systems anzeigt. Neu ist die Online-Vernetzung dank des serienmäßigen Kommunikationssystems und der Anwendungen von „Mercedes connect me“. Die ansonsten optionalen Remote Online Dienste sind beim Electric Drive serienmäßig an Bord, worüber neben dem Fahrzeugstatus auch die Programmierung der Ladeeinstellungen und Vorklimatisierung sowie die Routenplanung entsprechend der elektrischen Reichweite ferngesteuert werden können. Hinzu kommt die neue Smartphone- und Tablet-App Charge&Pay für Mercedes-Benz für die Suche nach freien Ladesäulen und zur Bezahlung per PayPal. Doch anders, als man vermuten könnte, wird die App ab Dezember vorerst in Deutschland nicht nur für Mercedes- oder smart-Fahrer kostenlos nutzbar sein, sondern auch für andere Marken und Modelle.

Überraschend offen geht man auch mit dem Thema Tesla um: Trotz des Verkaufs der Anteile will Daimler weiterhin die Zusammenarbeit fortsetzen und gibt unverhohlen zu, dass fast der komplette Antriebsstrang von Tesla stammt. Natürlich wurden die Komponenten des Model S an die B-Klasse angepasst: So wanderte beispielsweise der 132 kW / 180 PS starke Motor an die Vorderachse. Deren Räder müssen bei unbedarftem Vollgas allerdings kämpfen, um das maximale Drehmoment von 340 Nm auf den Boden zu bekommen. Vor allem auf nasser Straße oder im Winter wird das allseits wachende und auf Sicherheit bedachte ESP einiges zu tun bekommen. Also lieber dann auf den Sport-Modus verzichten, auch wenn die beeindruckende Beschleunigung (0-100 km/h in 7,9 Sekunden) sehr verführerisch ist.