Best of 2015: Ice Ice Porsche

29.12.2015 | Anja Sauer | Testrides

Porsche Ice Force teaser 1

Driften auf dem Eis – unsere Redakteurin Anja Sauer war bei der Porsche Ice-Force im finnischen Levi dabei – kalt wurde es ihr dabei nicht.

Schon immer wollte ich mal richtig Driften lernen. Auf unseren Straßen ist das kaum möglich oder sehr gefährlich, also reise ich mit Porsche nach Finnland, etwa 200 km nördlich des Polarkreises. Levi ist das größte Wintersportzentrum in Finnland – nicht nur für Skifahrer, sondern auch für die vielen Porsche-Fahrzeuge, die etwa drei Monate hier verbringen, um mit Journalisten und Kunden ihren ganz speziellen Wintersport auszuleben.

Am Ankunftstag bekomme ich erstmal etwas Warmes zu essen und das in ziemlich kalter Umgebung. Ich esse im Snow-Dome, einem Eis-Restaurant neben dem Hotel. Nach einem kurzen theoretischen Briefing geht es am nächsten Morgen auch gleich los zum ersten Handlingparcours, den ich nach kurzem Kennenlernen nicht auf normale Art mit meinem 911 Turbo durchfahren soll, sondern driftend. Das, was ich sonst eher vermeide, soll ich hier gezielt provozieren und das ist gar nicht so leicht, wie es bei unserem Instructor aussieht. Einlenken, Bremsen, Gas, Gegenlenken – und das in gefühlten Sekundenbruchteilen – mein Hirn qualmt, aber nicht die Räder. Nach einigen Runden und den motivierenden Worten, die ich über das Funkgerät zu hören bekomme, klappt es dann endlich – mein Heck versucht mich zu überholen und ich fahre quer durch die Kurven der in den Schnee gefrästen Rundstrecke. Ein geiles Gefühl ist das mit dem 520 PS starken 911 Turbo und Allradantrieb, wenn er seine bis zu vier Millimeter langen Spikes in die gefrorene Moor-Landschaft gräbt und der Schnee aufstaubt. Kalt wird mir in der eisigen Polarluft nicht, denn das viele Kurbeln am Lenkrad hält meinen Puls konstant hoch und das Adrenalin schießt nur so durch meine Adern.

Als ich den Handlingparcours wechsle, wird das Driften immer besser und ich will eigentlich gar nicht mehr aufhören, meine und die Grenzen meines Porsches auszutesten. Ich bin jetzt viel risikofreudiger und dann passiert es – ich drehe mich zu stark, kann die Kräfte des Turbo nicht mehr einfangen und grabe mich in die Schneewand ein. „Ich brauche einen Cayenne“ lautet mein Funkspruch, denn aus eigener Kraft schafft es der tief liegende 911 Turbo nicht mehr aus dem Schnee. Nachdem mich der Cayenne aus dem Schnee gezogen hat, geht es gleich weiter – ich möchte gar nicht daran denken, was auf einer normalen Landstraße passieren würde, wenn ich zum Beispiel durch Aquaplaning eine Drehung gemacht hätte. Nirgendwo kann ich die Kräfte so austesten wie hier in Finnland, denn mein Auto hat keine Schäden davon getragen und ich auch nicht.

Nach einer Mittagspause und stärkendem Mittagessen in der schicken Porsche-Hütte steige ich um in den 911 Turbo S mit 560 PS, also noch ein paar Pferdchen mehr, die ich außer Kontrolle bringen und gleichzeitig unter Kontrolle halten muss. Der Unterschied ist gar nicht so groß, denn es kommt für einen sauberen Drift nicht auf hohe Geschwindigkeiten an – im Gegenteil, wenn ich zu schnell in der Kurve einlenke, kommt kein Drift zustande und der Cayenne hätte seinen nächsten Einsatz. Ich fahre mit der Gruppe zum „Paddock“, bei dem ich einen Slalom driftend „durchqueren“ darf. Das fordert erneut vollen Lenkeinsatz und na klar, die richtige Blickrichtung aus dem Seitenfenster, was am Anfang extrem ungewohnt ist. Hier ist genügend Platz, so dass Fehler ohne Folgen bleiben und auch der Turbo S verzeiht mit seinem ausgewogenen Fahrwerk viele Fehler. Im Slalom lassen sich die geforderten Lastwechsel gut provozieren und das macht ganz schön viel Spaß mit den Zuffenhausenern.